Coimbra war von 1139 bis 1256 Hauptstadt von Portugal und damit die zweite des Landes.
Erste Siedlungsreste gehen auf die Römer zurück. 878 wurde Coimbra durch die Truppen des Asturischen Königs Alfons III besetzt. Die muslimische Bevölkerung wurde 904 verrieben. 987 wurde Coimbra erneut von den Mauren erobert und zerstört. 1064 wurde die Stadt durch König Fernando de Castilla y León zurückerobert. Noch ein letztes Mal eroberten 1117 die Mauren die Stadt , zogen sich aber nach einigen Tagen endgültig zurück.
Nachdem 1256 Lissabon neue Hauptstadt von Portugal wurde, gründete1290 König Dyonisius (Dom Dinis) die Universität Lissabon, die 1308 nach Coimbra verlegt wurde. Nach mehrmaligem Wechsel mit Lissabon wurde sie 1537 endgültig von König Johann III (D. João III) in Coimbra angesiedelt. Sie ist die älteste Universität Portugals und eine der ältesten Europas. Sie prägt bis heute das Leben und die Wirtschaft in der Stadt. 2013 wurde sie in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Mit der Bahn fahren wir von Porto nach Coimbra. Die Entfernung beträgt ca. 120 km und die Fahrt dauert etwa 70 Minuten. Kurz nach der Ausfahrt aus Porto überqueren wir den Douro und haben einen guten Blick auf die erstmals von Gustave Eiffel und seinem Partner Théophile Seyrig erbaute Brücke, die Ponte Maria Pia. Sie war zum Zeitpunkt der Erbauung die größte Bogenbrücke der Welt. Seit 1991 ist sie stillgelegt.

Der Bahnhof von Aveiro mit seinen herrlichen Mosaikbildern erinnert uns sehr an die Bilder und den weit bekannten Bahnhof von Pinhao am Douro. In Aveiro sehen wir auch das Gelände Fabrica Ceramica de Jeronimo Pereira Campos, eine ehemalige Keramikfabrik, die heute als Kongress- und Kulturzentrum dient.

In Coimbra suchen wir unseren Weg durch die historische Altstadt, die viele Ähnlichkeiten mit der Altstadt von Porto hat, hinauf auf den Alcaçova-Hügel und zur Universität.

Der Paço das Escolas (Palast der Schulen) der Universität Coimbra war der erste Königspalast Portugals. Er wurde ab 1131 von D. Afonso Henriques, dem ersten König Portugals bewohnt. Davor war er während der muslimischen Herrschaft Sitz des Stadtgouverneurs.
Musik von Johannes Kayser
Der nördliche Abschluß des großen Platzes wird von der Sala dos Capelos gebildet. Dies ist der ehemalige Thronsaal, in dem die Krönung von D. Afonso Henriques stattfand.

Im 17 Jahrhundert wurde er für die Bedürfnisse der Universität umgestaltet und dient heute als Hauptraum für feierliche Zeremonien. Umgeben ist der Saal von einem Rundgang, der sich auch auf diverse Balkone erstreckt und einen herrlichen Ausblick auf die Stadt und ihre Umgebung erlaubt.

Die Fassade des Gebäudes, mit dem Portikus und der Kolonnade, wird Via Latina genannt. Sie wird gerne für Fotoevents bei Abschlussfeiern genutzt.
Rechts davon befindet sich das Eiserne Tor, der offizielle Eingang zum Paço das Escolas. Auf der linken Seite erhebt sich der Glockenturm. Ursprünglich durften die Erstsemester ihre Unterkunft nicht mehr verlassen, wenn abends die Glocken geläutet hatten.

Auf der Westseite wird der Platz von der Joanina Bibliothek begrenzt. Sie ist zweifellos eine der schönsten und bekanntesten Bibliotheken der Welt. Mehr als 200000 Bücher werden hier aufbewahrt, viele davon aus dem Mittelalter.

Die kunstvoll gestalteten und mit Gold verzierten Räumlichkeiten sind absolut sehenswert. Eine Besonderheit ist eine Fledermaus Kolonie, deren Aufgabe es ist die Bücher von Ungeziefer und Parasiten frei zu halten. Leider ist filmen und photographieren nur in den Nebenräumen gestattet, in den Haupträumen aber leider verboten. Angesichts der häufigen Publikationen im Internet ist dies für uns unverständlich.

Direkt daneben schließt die Capela de São Miguel an. Sie ist ähnlich kunstvoll gestaltet, vor allem die barocke Orgel von 1733 ist mit fast 2000 Orgelpfeifen noch voll funktionstüchtig. Sie ist vergleichbar mit der Orgel in der Kathedrale von Braga. Hier, in der Capela de São Miguel, ist glücklicherweise filmen erlaubt.

Das hier und in vielen anderen Bauwerken in Portugal verwendete Gold ist unschwer als Gold von Ouro Preto in Brasilien zu erkennen. Das Gold ist leicht schwärzlich gefärbt, was durch Eisenoxid Verunreinigungen zustande kommt. Bis 1820 wurden in Ouro Preto rund 1200 Tonnen Gold gefördert. Davon Verblieb in Brasilien nur ein kleiner Teil. Da Portugal zu jener Zeit auf militärische Hilfe von England angewiesen war, ist davon aus zu gehen, dass mit diesem Gold auch ein Teil der industriellen Revolution in England finanziert wurde. Bilder von einem Besuch in Ouro Preto 1979 sind auch auf unserer Web-Seite zu sehen.

In der Mitte des Platzes wurde eine Statue zu Ehren von D. João III aufgestellt, da er die Universität 1537 endgültig nach Coimbra brachte.
Durch das Eiserne Tor kommen wir zu den neueren Gebäuden der Universität.

Am Praça D. Dinis wurde eine Statue des Königs aufgestellt.

Ein Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert versorgte die Oberstadt mit Wasser. Sie geht auf ein altes Römisches Aquädukt zurück, das sich einst hier befand.

Die monumentale Freitreppe, Escadas Monumentais führt aus der Unterstadt auf den Hügel.

Wir machen uns wieder auf den Weg ins Tal und besichtigen nebenbei die Sé Nova (Neue Kathedrale), die ebenfalls üppig dekoriert ist.

Daneben befinden sich die Igreja de São João de Almedina und das National Museum Machado de Castro.

Noch eine mächtige Kathedrale befindet sich an unserem Weg, die Sé Velha (alte Kathedrale) aus dem 12. Jahrhundert.


Wir kommen zur mulher de Coimbra (Frau aus Coimbra), genannt Tricana. Die Tricana, die auf dem Weg zum Fluss Mondego immer einen Krug bei sich trägt, ist in der portugiesischen Literatur weit verbreitet.

Nach all den vielen Eindrücken geht es zurück zum Bahnhof und mit dem Zug nach Porto.

Weitere Fotos von unserem Besuch
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