Seit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer sind 40 Jahre vergangen, aber die Spuren des Schreckens sind noch all gegenwärtig.

Rote Khmer
Unterstützung fanden die Roten Khmer bei den Vietnamesen, die den Ho Chi Minh Pfad auch auf kambodschanischem Gebiet nutzten. Dies rief die Amerikaner auf den Plan, die den Putsch von General Lon Nol gegen Staatschef Sihanouk unterstützten, um den Nordosten Kambodschas großflächig bombardieren zu können.
Dieses Bombardement forderte rund 200.000 Menschenleben und trieb die Landbevölkerung massenweise in die Arme der Roten Khmer, die einen Agrarkommunismus errichten wollten. Die Roten Khmer sahen in den Unterschieden zwischen Stadt- und Landbevölkerung die Ursachen der Armut des Landes.
Deshalb wollten sie die Landbevölkerung stärken. Außerdem waren sie stark nationalistisch orientiert und sahen in jedem Fremden (Ausländer, Angehöriger einer fremden Ethnie) ein Wesen, das vernichtet gehört.

Am 17. April marschierten die Roten Khmer unter dem Jubel der Stadtbevölkerung in Phnom Penh ein. Der Jubel verflog rasch, als der Befehl erfolgte, die Stadt Phnom Penh und alle Provinzhauptstädte binnen 48 Stunden zu räumen. In Gewaltmärschen wurde die Bevölkerung aufs Land deportiert, wobei bereits Tausende an den Strapazen starben. Neben dem Ziel die Gesellschaft in eine Agrargesellschaft zu verwandeln gab es einen einfachen Grund für diesen Befehl. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Phnom Penh unter der Herrschaft von Lon Nol von den Amerikanern versorgt. Die Kinderarmee der Roten Khmer war dazu nicht in der Lage. Nur auf dem Land gab es Nahrungsmittel.
Geld wurde abgeschafft, Bücher wurden verbrannt und ein Sicherheitssystem wurde installiert. Die Bevölkerung musste in 12-Stunden Schichten landwirtschaftlich arbeiten. Lehrer, Händler und Intellektuelle wurden exekutiert. Banken, Schulen, Krankenhäuser und Industrie- und Dienstleistungsunternehmen wurden ebenfalls geschlossen. Religionsausübung wurde verboten.
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Mehr InformationenDa die Soll-Vorgaben zu ehrgeizige Ziele verfolgten, wurde bei der Ernährung der Bevölkerung gespart. Durch eine Hungersnot und fehlende medizinische Betreuung starben Hunderttausende. Auch im Kampf gegen Vietnam stellten sich viele Fehlschläge ein. Auf die verfehlten Ziele reagierte die Führung paranoid. Viele Führungskräfte und Armeeangehörige verschwanden wegen Sabotage und wurden hingerichtet.
Während der 4-jährigen Herrschaft der Roten Khmer verlor fast ein Drittel der Bevölkerung Kambodschas durch Zwangsarbeit und Exekution ihr Leben, das sind ungefähr 2 Millionen Menschen.
S-21 (Tuol Sleng)
Flächendeckend wurden Sicherheitsbüros installiert. Dies waren Gefängnisse in denen die Gefangenen verhört wurden und unter Folter gezwungen wurden die absurdesten Geständnisse zu unterzeichnen.

Das bedeutendste war S-21 in Phnom Penh. Genutzt wurde die Gebäude der ehemaligen Chao Ponhea Yat High School und die Boeung Keng Kang Primary School. Die Gebäude waren von einer hohen Mauer mit Stacheldraht und Stromleitungen umgeben. Schreie von Folteropfern konnten nicht an die Öffentlichkeit dringen, da Phnom Penh eine Geisterstadt ohne Einwohner war.

Bei einem Gebäude waren die Überdachten Veranda-Gänge mit Stacheldrahtgittern versehen worden, nachdem es einigen Gefangen gelungen war durch einen Sprung in die Tiefe Selbstmord zu begehen.

Die Verhörräume bestanden aus einer Metallpritsche mit metallenen Fußfesseln. Die Zellen waren klein, roh gemauert und ohne Inventar. Im Hof stand ein großer Galgen auf den Gefangene mit am Rücken zusammengebundenen Händen hochgezogen wurden und kopfüber in großen Behältern mit Schmutzwasser dem Waterboarding ausgesetzt waren.
Organisatorisch war S-21 dem Ministery of Defense unterstellt. Der zuständige Minister war Son Sen. Leiter von S-21 waren Dutch, Khim Vat aka Hor, Peng, Chan und Pon.
Nach S-21 wurden vor allem Intellektuelle, politische Häftlinge und Partei Kader gebracht. Die Verhaftungen erfolgten in der Regel nicht öffentlich, sonder meist unter einem Vorwand, wie z.B. man soll die Highschool besuchen oder ähnliches.

Man wurde befragt und photographiert. Alles wurde protokolliert und in den Akten festgehalten. Anschließend, wurde man der nächsten Einheit übergeben, die für Verhör und Folter zuständig war. Diese war wieder in drei Einheiten unterteilt (cold unit, hot unit, chewing unit). Die Erste verhörte, die Zweite folterte und die Dritte versuchte den Gefangen mit falschen Behauptungen zu Widersprüchen zu verleiten.
Bei den Verhören ging es vor allem auch darum, wer ihre Verwandten und Freunde waren. Die Roten Khmer wollten in der Regel alle Familienangehörige töten, das sie eine spätere Rache fürchteten.
Waren die Protokolle unterzeichnet wurden die Gefangenen zur Exekution freigegeben. Ungefähr 14.000 Menschen wurden hier inhaftiert, davon überlebten 7 das Grauen.

S-21 ist heute ein Genozid Museum und Gedenkstätte. Bilder von Gefangenen, Opfern, Verwundeten und Verhörpraktiken machen die Qualen in diesen Räumlichkeiten greifbar.
Wir hatten Glück bei unserem Besuch 2 von den 7 Überlebenden zu treffen.
Chum Mey und Bou Meng
Chum Mey und Bou Meng haben je einen Stand in S-21 und verkaufen Biographien, die ihr Leben beschreiben. Wir haben sie erworben, nicht ohne sie vorher von beiden Männern handsignieren zu lassen.
Beide Männer haben unter den Roten Khmer ihre Frauen und Kinder verloren.
Chum Mey war Automechaniker. Er konnte aber technische Geräte jeder Art reparieren, z.B. Schreibmaschinen, die für die Roten Khmer wichtig waren. Bou Meng war Maler und konnte sehr gut lebensechte Portraits erstellen.
Diesen Fähigkeiten verdanken beide Männer die Tatsache, dass sie S-21 überlebten. Interessant ist aber, das beide die Erlebnisse unterschiedlich verarbeitet haben.
Chum Mey versucht es mehr auf buddhistische Art. Er hat seinen Peinigern vergeben. Er argumentiert, dass diese auch nur Befehle ausführten und hätten seine Peiniger nicht so gehandelt, hätten sie auch ihr Leben verloren. Er hält sich an das Khmer Sprichwort: „If a mad dog bites you, don’t bite it back.“
Bou Meng kämpft dafür, dass die Verantwortlichen dieser Massaker auch zur Verantwortung gezogen werden. Ein erster Erfolg für ihn war das internationale Tribunal. Er nennt in seinem Buch auch viele Täter namentlich und zeigt, wo sie heute leben.
Wir neigen zur Meinung von Bou Meng. Es kann nicht sein, dass niemand verantwortlich ist für all den Schrecken. Es genügt nicht wenige Führungskader zu verurteilen. Dadurch, dass viele Täter ungeschoren in der Bevölkerung leben, werden sie in ihrer Meinung bestärkt, dass sie richtig gehandelt haben. Die weit verbreitete Korruption ist eine Folge dieses Handelns. Die einstigen Opfer werden auch in dem neuen System die Opfer sein.
Bitte lesen Sie weiter > Killing Fields – Hölle auf Erden in Phnom Penh
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