Das Rathaus von Stockholm, Stadshuset, ist ein berühmtes Wahrzeichen der Stadt. Gleichzeitig ist es aber auch mit Alfred Nobel verbunden, denn hier findet das Festessen anlässlich der Verleihung der Nobelpreise statt.
Wir haben die Gelegenheit an einer exklusiven Führung durch dieses beeindruckende Gebäude teilzunehmen.

Bereits die Lage des Rathauses ist außergewöhnlich. Es liegt exponiert an der Spitze der Insel Kungsholmen und weist mit seinem Turm auf das Stadtzentrum. Im Rathaus ist der Sitz der Stadtregierung und des Stadtparlaments. Das Rathaus von Stockholm wurde vom Architekten Ragnar Östberg entworfen und von 1911 bis 1923 von der Firma Kreuger & Tall gebaut. Ivan Kreuger wurde später als Schwedens Zündholzkönig bekannt.
Im Rathaus von Stockholm
Im Inneren ist man beeindruckt von der baulichen und künstlerischen Gestaltung des nach außen schlicht wirkenden Gebäudes.

Wir betreten zuerst den Blauen Saal (Blå hallen) und wundern uns, dass er nicht blau ist. Der Name rührt daher, dass der heutige Saal ursprünglich als offener Innenhof, nach dem Vorbild eines italienischen Renaissance-Platzes geplant war, sodass der blaue Himmel sichtbar gewesen wäre.
Während der Bauphase kam der Architekt Ragnar Östberg in den Raum und sah wie das Sonnenlicht auf die Ziegelwände fiel. Daraufhin wollte er die roten Ziegelwände unverputzt lassen und dem Raum einen blauen Anstrich geben. In letzter Sekunde entschloss man sich aber die Ziegelwände so zu belassen wie sie sind. Der Name hatte sich zu diesem Zeitpunkt aber schon eingeprägt. Aufgrund der Temperaturen in Schweden wurde die Halle mit einer Decke versehen, so dass sie bei jedem Wetter genutzt werden kann.
In einer Ecke der Halle steht eine Orgel, die mit ihren über 10.000 Pfeifen die Größte in Skandinavien ist.

Im Blauen Saal findet jährlich am 10. Dezember das große Nobelpreis Bankett für 1300 Teilnehmer, unter ihnen die Nobelpreisträger, Royals und geladene Gäste, statt. Der Blumenschmuck für das Bankett kommt aus San Remo, wo Alfred Nobel seine letzten Jahre verbracht hat.

Wir gehen die Treppe hinauf zum Rathaussaal. In den Vitrinen im Vorraum sind vielerlei schwedische Auszeichnungen und Orden ausgestellt. Im Rathaussaal (Rådsalen) tagt alle drei Wochen die Stockholmer Stadtregierung.

Im ersten Moment wirkt der dunkel getäfelte Raum nicht besonders spektakulär, solange man nicht den Blick nach oben richtet. Anstelle einer Decke sieht man die offene Konstruktion des beeindruckenden Dachstuhls, dessen ebene Flächen mit Gemälden und Ornamenten bunt gestaltet wurde.


Als nächstes gehen wir durch die Galerie des Prinzen, Prinsens Galleri, die in erster Linie für den Empfang von Ehrengäste dient. Die Fenster an der Südseite der Galerie bieten einen herrlichen Blick auf den Mälarsee und Södermalm.
An der gegenüberliegenden Wand ist das Fesko „Stockholm’s Shores“ . Es wurde von Prinz Eugen, dem jüngsten Sohn des schwedischen Königs Oskar II gemalt. Er wollte denjenigen Gästen, die mit dem Rücken zum Fenster sitzen, das Panorama von Stockholm zeigen.

Wir gehen weiter und warten in einem Vorraum vor einer Tür, bis sich alle Teilnehmer unserer Gruppe versammelt haben.
Als die Tür geöffnet wird, eröffnet sich uns der Blick auf den Goldenen Saal, Gyllene salen. Er ist mit ca 18 Millionen Mosaiksteinchen geschmückt, die den Saal in einem einzigartigen goldenen Licht erscheinen lassen. Die Mosaiksteinchen bestehen aus Blattgold zwischen zwei Glasplättchen. Mit der Herstellung beauftragte man die Berliner Firma Puhl & Wagner, zur damaligen Zeit das führende Unternehmen für Glasmosaike. Die Gemälde wurden vom Künstler Einar Forseth entworfen.

Der Saal ist im byzantinischen Stil mit Motiven aus der schwedischen Mythologie und Sagenwelt. An der Stirnwand des Saales prangt die „Queen des Mälaren-Sees“, eine symbolische Darstellung Stockholms, das von Ost und West geehrt wird.
Es war ganz still geworden unter den Teilnehmern der Führung, so beeindruckt zeigten sie sich. Während des Nobelpreis-Dinners dient dieser Saal erst als Küche und wird dann im Laufe des Abends zum Tanz freigegeben.
Hier sehen Sie das 4K UHD Video
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenRathausturm
Noch ahnten wir nicht, dass auch die Besichtigung des 106 m hohen Stadthausturms geplant war. Der Rathausturm wurde mit 2,5 Millionen Ziegeln gebaut. Mit einem Gesamtgewicht von 24.000 Tonnen ist er doppelt so schwer, wie der Eiffelturm in Paris.
Wir versammelten uns im mit Arkaden gesäumten Innenhof des Rathauses. Dort fragte uns unsere Führerin Emma, ob wir den Turm zu Fuß 365 Stufen oder mit dem Aufzug besteigen möchten. Alle entschieden sich für den Aufzug. Dieser ging bis zum Turmmuseum.

In einem riesigen Kuppelraum steht die 7,6 m hohe Statue von Erik IX, dem Schutzheiligen Stockholm. Die Statue wurde von den Gebrüdern Sandberg entworfen und sollte ursprünglich in der offenen Turmspitze stehen. Ragnar Östberg entschied sich jedoch schlussendlich die offenen Turmspitze als Aussichtsplattform zu gestalten.

Daneben sind Gipsmodelle verschiedener Kunstwerke aus dem Stadshuset zu sehen. Über endlose schmale Gänge, die sanft an der Außenmauer des Turmes ansteigen, gelangen wir zur Aussichtsplattform. Sie liegt 73 m über dem Meeresspiegel und führt um den ganzen Turm herum. So bietet sich ein grandioser Überblick über ganz Stockholm und seine Inseln.

Über der Plattform thronen die 9 Turmglocken. Die größte wiegt 3 Tonnen. Sie läuten jede Stunde und um 12 Uhr mittags und 6 Uhr abends spielen sie eine Melodie.

An der Spitze des Turms sind die 3 Kronen angebracht, seit dem 14. Jahrhundert das Staatswappen von Schweden. Jede Krone hat einen Durchmesser von 2,2 m, ist 1,1 m hoch und wiegt 70 kg und ist aus vergoldetem Kupfer hergestellt. Sie sind in Richtung der Altstadt, Gamla Stan ausgerichtet, wo einst Stockholms mittelalterliches Schloss stand, bevor es 1697 niederbrannte.
Auf dem Rückweg von der Aussichtsterrasse werfen wir noch einen Blick auf das Holzgerüst des Glockenturms. Wir verlassen das Rathaus von Stockholm mit vielen großartigen Eindrücken, die wir so nicht erwartet hatten.
Das könnte Sie auch interessieren:
Pin it – für später merken

Hinweis: Der Besuch erfolgte auf Einladung von Visit Stockholm, für die wir uns recht herzlich bedanken. Alle Eindrücke und Meinungen sind unsere eigenen.
Text, Fotos und Video: Copyright © myVideoMedia