Wir möchten unbedingt die Hauptstadt Praia, die Hauptstadt der Kapverden, sowie die ehemalige Hauptstadt Cidade Velha auf der Insel Santiago kennenlernen. Da dies mit dem Schiff nicht machbar war, entschieden wir uns für das Flugzeug. Doch auch damit ist es nur möglich, am Vorabend nach Santiago zu fliegen, dort zu übernachten und am nächsten Abend wieder zurückzufliegen. Gesagt, getan!
Josina Fortes, die Rezeptionistin im Blue Marlin Hotel, hat die Reise mit der Reiseagentur Levy Travel in Praia vermittelt und organisiert. Der Flug startet spät am Abend von Mindelo nach Praia.

Der Chef der Agentur, Levy Simao, holt uns um Mitternacht am Flughafen ab und bringt uns ins Hotel Santa Maria im Zentrum von Praia. Er zeigt uns kurz unser Zimmer, bevor er uns gegen 1 Uhr verlässt.
Er sagt uns noch, dass sein Sohn uns am Morgen begleiten und uns die Stadt sowie die Cidade Velha zeigen wird. Wir gehen davon aus, dass wir ihn nicht mehr sehen werden, doch wir irren uns, denn er wird uns am Nachmittag und am Abend nochmals eine wertvolle Hilfe sein.

Das Zimmer ist einfach, aber sauber und bietet alles, was man für sechs Stunden Schlaf benötigt. Das Frühstücksbuffet ist ausgezeichnet und die Rezeptionistin ist freundlich und nett. Danach sehen wir die Rua 5 de Julho, während wir kurz auf unseren Guide Marcos Levy warten.

Die Rua 5 de Julho ist die zentrale Einkaufsstraße von Praia. Sie ist hell und freundlich mit einladenden Geschäften und Cafés. Besonders ist, dass sie hervorragend durch Bäume beschattet ist, ohne dunkel zu wirken.

Wir befinden uns auf dem Plateau von Praia, wo sich afrikanische, kreolische und portugiesische Kultur vermischen.
Marcos führt uns zuerst zum südlichen Ende der Straße zum Mercado Municipal de Praia, dem zentralen Einkaufsmarkt für Gemüse und Lebensmittel.

Er umfasst aber auch verschiedene Imbissmöglichkeiten und scheint auch als Treffpunkt zu dienen, um die neuesten Nachrichten auszutauschen.

Es folgt ein Rundgang zum Platz „Praça da Fonte”, an dem sich das Rathaus (Câmara Municipal) befindet, das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Nur wenige Meter weiter liegt der Gouverneurspalast (Palácio da Presidência da República), der einst als Wohnsitz des Gouverneurs diente. Er ist wohl das wichtigste Gebäude auf dem Plateau.

Wir setzen unseren Rundgang fort und genießen den Ausblick auf das Fußballstadion Estádio da Várzea und die Ilhéu Santa Maria.

At the southern end of the plateau, there is a military base named after the Cape Verdean freedom fighter, Jaime Mota. Mota was killed in Guinea-Bissau. Today, the base serves as a military museum and office building for the Ministry of Defense.
Am südlichen Ende des Plateaus ist ein nach dem kapverdischen Freiheitskämpfer Jaime Mota benannter Militärstützpunkt. Mota wurde in Guiné Portuguesa (Guinea-Bissau) getötet. Heute dient er als Militärmuseum und als Bürogebäude des Verteidigungsministeriums.

Marcos bringt uns nun in das Viertel Terra Branca, in dessen Mittelpunkt der Künstler Tutu Sousa steht. Er gründete die bekannte Kunstgalerie Galeria de Arte Tutu Sousa.

In ihr wird kapverdische Kunst von einheimischen, aber auch internationalen Künstlern aus Ländern wie Portugal, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe sowie Frankreich gezeigt. Die Galerie befindet sich im Umkreis der Rua d’Arte und hat das gesamte Viertel in ein Kunstwerk verwandelt. In seiner Galerie treffen wir sogar den Künstler Tutu Sousa persönlich, der sich inmitten seiner Werke aufhält.

Nun erreichen wir unser zweites Ziel auf der Insel Santiago: die Cidade Velha.

Cidade Velha, seit 2005 offiziell Ribeira Grande de Santiago genannt, ist das historische Zentrum der Kapverden und seit 2009 UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt wurde 1462 gegründet und ist die erste von Europäern gegründete Stadt südlich der Sahara.
Sklaverei existiert schon sehr lange. Nicht erst bei den Ägyptern, Griechen und Römern. In der Antike war der Sklavenhandel weit verbreitet und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auf Delos wurden täglich zehntausende Sklaven gehandelt. Später spielten die Franken und die Venezianer eine bedeutende Rolle. International waren die Radhaniten (jüdische Freihandelskaufleute) vom 8. bis 11. Jahrhundert zwischen dem christlichen Abendland und der islamischen Welt bis nach Indien und China aktiv. Ab dem 5. Jahrhundert war die Sklaverei in Afrika, vor allem in der islamischen Welt, weit verbreitet. Es wird geschätzt, dass 10 bis 15 Millionen Menschen von der innerafrikanischen Sklaverei betroffen waren.
Bereits im Jahr 1466 erhielt die Stadt Cidade Velha (damals Ribeira Grande) das königliche Monopol auf den Sklavenhandel. Von hier aus wurden Sklaven aus Guinea-Bissau und Sierra Leone nach Brasilien und in die Karibik verschifft. Gleichzeitig wurden hier die portugiesischen Indien-Flotten versorgt. Somit etablierte sich Cidade Velha als zentrale Handelsdrehscheibe. Im Jahr 1866 wurde die Sklaverei auf den Kapverden verboten.

1585 und 1586 wurde die Stadt von Sir Francis Drake überfallen. Deshalb begann man 1587 mit dem Bau der Festung Real de São Filipe. Im Jahr 1712 eroberte, plünderte und zerstörte der Franzose Jacques Cassart die Festung von der Landseite aus. Die Bedeutung von Cidade Velha sank und der Regierungssitz wurde 1769 nach Praia verlegt.

Unser Rundgang beginnt in der Festung Real de São Filipe. Hoch über Cidade Velha gelegen, bieten die massiven Mauern mit ihren Kanonen einen beeindruckenden Anblick. Von hier aus hat man aber auch einen wunderschönen Blick auf die Stadt und das Meer. In nördlicher Richtung erschließt sich das große Tal von Ribeira Grande, das sich ideal für die Unterbringung der Sklaven eignete.

Betritt man die Festung, fällt der Blick zuerst auf die runde Kuppel der Zisterne. Dahinter war die Küche untergebracht. Direkt daneben befanden sich die Gefängniszellen, in denen man nur stehen oder bestenfalls sitzen konnte. Die Gefangenen bekamen nur wenig zu essen, hatten aber ständig den Geruch der Küche in der Nase.

In Richtung Süden befanden sich die Quartiere der Mannschaft und des Kommandanten. Auf der südöstlichen Bastei entdeckten wir ein Chioninia, das auf den Kapverdischen Inseln endemisch ist. Wir werfen noch einen Blick in die Zisterne, über die die Festung mit Wasser versorgt wurde.

Auf dem Weg in die Stadt stoppte Marcos kurz und gab den Ziegen am Straßenrand Bananenschalen, die von ihnen als Delikatesse wahrgenommen wurden.

Danach besichtigten wir die Ruinen der Kathedrale, deren Bau von 1556 bis 1705 andauerte. Sie war die erste Kathedrale südlich der Sahara und verfügte über einen 60 m langen Kirchsaal sowie ein doppeltes Querschiff.

Viele Steine wurden aus Portugal importiert. In der Kathedrale wurden viele Sklaven getauft, wodurch sie sich besser verkaufen ließen. Doch bereits sieben Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde sie vom französischen Korsar Jacques Cassard geplündert und zerstört.

Nur wenige Meter weiter erreichen wir das historische Zentrum der Stadt mit einem runden Platz, auf dem sich der Pelourinho, der historische Pranger mit einem christlichen Kreuz an der Spitze befindet. An seinem Fuß wurden die Sklaven versteigert, am Pranger angebunden und zur Schau gestellt und öffentlich bestraft.

Die angrenzende Rua de Banana war die erste gepflasterte Straße der Kapverden. Die malerischen Häuser rechts und links waren früher Sklavenquartiere.

Die Igreja de Nossa Senhora do Rosário ist die älteste Kirche der Stadt, und von den ursprünglichen Mauern sind noch Fragmente zu sehen. Sie gilt außerdem als das älteste erhaltene historische Bauwerk in Cidade Velha.
Am Ende von Cidade Velha befindet sich eine Grogue-Destillerie mit angeschlossenem Restaurant: Cabral & Martins – Fabrica familiar de Grogu (Rum) / Cruzeiro Restaurante. Das Essen war sehr gut und man kann auch direkt Grogue erwerben.
Nun wurde es Zeit, wieder zum Flughafen zurückzukehren. Auf dem Weg dahin passierten wir die Universidade de Cabo Verde (Uni-CV), eine von zwei großen Universitäten in Praia. Sie wurde von China finanziert und durch chinesische Firmen erbaut.

Das Gleiche gilt für den modernen Präsidentenpalast. Auch dieser wurde von China finanziert und von chinesischen Firmen erbaut.
Unterwegs erreichte uns ein Anruf von Marcos‘ Vater, dass unser Flug storniert worden sei und wir uns beeilen sollten, um zum Flughafen zu kommen.

Vorbei am Unabhängigkeitsdenkmal der Kapverden erreichten wir den Nelson Mandela Aeroporto Internacional.
Hier herrscht großes Chaos. Marcos fragt am Schalter nach und wir sollen uns in die Schlange am Check-in einreihen, um für eines der nächsten Flugzeuge registriert zu werden. Danach verabschiedet sich Marcos. Nachdem wir nach ca. zwei Stunden in der Warteschlange den Check-in-Schalter erreicht hatten, hieß es, dass wir nicht registriert sind und zum Schalter gehen sollen, von dem wir eben gekommen waren. In der Zwischenzeit schwirrten Aussagen durch die Halle, dass manche im Hotel übernachten sollen usw.
Ursula schaffte es, mit Hilfe eines freundlichen einheimischen Passagiers die Rufnummer der Levy Travel Agentur zu finden und Levy Simao am Telefon zu sprechen. Er versprach, sofort zu kommen und uns zu unterstützen, was er auch tat. Dank seiner Hilfe wurden wir auf die nächste Maschine gebucht und konnten nach weiteren zwei Stunden den Check-in passieren. Wir sind ihm sehr dankbar, denn es hätte auch so enden können, dass wir noch eine Nacht in einem Hotel verbringen müssten.

Gegen 22 Uhr erreichten wir schließlich das Blue Marlin Hotel in Mindelo, womit unsere ereignisreiche und zuletzt auch aufregende Reise doch noch ein gutes Ende fand.

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