Bereits vor Antritt der Reise planten wir eine Rundtour über São Vicente mit Marion Touray, die seit mehreren Jahren auf der Insel lebt, gut vernetzt ist und als Reiseführerin arbeitet. Sie möchte uns die markantesten Punkte der Insel zeigen und uns Einblicke in das Leben der einheimischen Bevölkerung geben.

Von Mindelo aus fahren wir mit Marion auf den Monte Verde, den mit 744 m höchsten Berg der Insel. Wir begnügen uns allerdings mit etwa 500 Metern Höhe, da der Gipfel in dichtem Nebel liegt. Dennoch können wir die Steilheit der Hänge und den Ausblick über Mindelo und den Norden der Insel genießen.

Die braune Landschaft lässt erahnen, dass Wasser auf der Insel ein begehrtes Gut ist. Wie die meisten Straßen auf der Insel ist auch diese Bergstraße mit groben Pflastersteinen belegt. Der Gipfel des Berges ist von einem Naturschutzgebiet umgeben, das sicherlich interessant wäre, wenn der Nebel nicht wäre.

Nachdem wir den Ausblick genossen haben, geht es weiter nach Salamansa im Norden von São Vicente. Beim Durchqueren des Ortes kommen wir an einer Wasser-Vierteilstation vorbei. Lkws bringen Wasser hierher, das die Bewohner in Kanistern mit nach Hause nehmen können. Nur bessergestellte Bewohner können sich das Wasser auch nach Hause liefern lassen. In den Straßen sehen wir einige verkleidete Personen, die sich bereits für den anstehenden Karneval vorbereiten.

Das Fischerdorf verfügt über einen herrlichen weißen Sandstrand, an dem sich auch eine Kitesurfschule befindet, da sich der Strand ideal zum Wind- und Kitesurfen eignet. Zufällig kommt auch, die auf den Kapverden sehr bekannte Sängerin Gabriela Medes, vorbei.

Am Ortsausgang befindet sich eine Schule, die mit einem wunderschönen Graffiti von David Leone Lima Manteiro geschmückt ist.

Nur wenige Kilometer weiter treffen wir auf Baia das Gatas mit seiner riesigen, natürlichen und seichten Bucht, die zum Baden im herrlich klaren Wasser einlädt. Durch ihre natürliche Steinumrandung und das seichte Wasser ist sie auch für Kinder sehr gut geeignet.

Vor der Bucht befindet sich eine große Fläche mit einer Bühne, die jährlich Besucher aus aller Welt anzieht, um die lokale Musikszene beim Baía-das-Gatas-Festival zu erleben. Im August 2026 findet es erstmals an fünf Tagen statt.

Marions Tochter arbeitet als DJane und hat bereits auf der Bühne aufgelegt. Normalerweise lebt sie mit ihrem Freund in Deutschland.

Baia das Gatas ist während des restlichen Jahres hauptsächlich ein Wochenend-Erholungsort.
Etwas südlich davon liegt die Siedlung Norte Baia 1, die wie ein Open-Air-Museum wirkt. Wunderschöne Graffitis gestalten diesen Ort, der durch seine Kreativität und die bunten Farben die Lebensfreude seiner Bewohner zeigt.

Noch ein kleines Stück weiter südlich trifft man wieder auf das Meer und die Siedlung Ocean View – Norte Baia 2, die an ein modernes Neubaugebiet erinnert. Von hier aus hat man jedoch einen wunderschönen Blick auf das Meer und die Küste mit ihren Dünen.

Die herrlichen Dünen aus Saharasand, die der Wind aus Afrika herüberweht, und die dunklen Felswände aus Vulkangestein bilden einen malerischen Kontrast zum blauen Wasser des Meeres.
Zwei Häuser weiter konnten wir jedoch Valeria Mytrokhina treffen, eine Künstlerin und Naturforscherin, die hier ihre Werkstatt betreibt.

Sie gestaltet Schmuck und Dekorationen aus echten Meeresmaterialien. Sie zeigt uns Muscheln, Fischknochen, aber auch Sandröhrchen, die ein Blitz im Sand geformt hat.

Sie wird aber nicht nur auf São Vicente, sondern auch auf der Insel Santa Luzia fündig. Sie lebt seit über zehn Jahren mit ihrem Mann auf der Insel.

Ihre Produkte sind auch in einem kleinen Souvenirgeschäft direkt neben dem Eingang zum Belém-Turm in Mindelo zu finden.
Nun wollen wir etwas essen und Marion bringt uns ins Atlantis Bistro in Mindelo.

Viele Restaurants auf der Insel bieten am Sonntag Live-Musik, bei der auch Laien auftreten können. Wir genießen das Essen, die Atmosphäre und spüren auch hier die Lebensfreude, die bei den künstlerischen Darbietungen ausgestrahlt wird.

Nach dem Essen fährt Marion uns ein Stück mit dem Auto. Kurz vor ihrem Wohnsitz lässt sie uns aussteigen. Wir wollen zu Fuß zu unserem Hotel zurückkehren. Als wir bereits eine Weile gelaufen sind, hält Marion plötzlich wieder neben uns und sagt, wir sollen einsteigen. Sie hat gerade die Mandingas gesehen und will uns zu ihnen bringen. Da sagen wir nicht nein und freuen uns, als wir ankommen und sehen, welch ein Spektakel dies ist.

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